Edelgard leidet seit acht Jahren am Multiplen Myelom. Immer wieder kämpft die heute 60-Jährige gegen die Erkrankung an. Vier Mal geht sie mit einer Therapie gegen den Knochenmarkkrebs vor – etwas, das vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen wäre, doch heute aufgrund der Entwicklung innovativer Medikamente möglich ist.
Ihr unglaublicher Lebenswille hilft ihr dabei. In einer Art Tagebuch hält Edelgard fest, wie sie die Herausforderung für Körper und Psyche meistert und wie sie sich dabei fühlt.
Im Jahr 2008 erhält Edelgard die Diagnose Multiples Myelom. Die bösartige Erkrankung des Knochenmarks stellt das Leben der voll im Berufsleben stehenden Frau, Mutter und Ehefrau völlig auf den Kopf. Sie fällt in ein Loch. Doch durch die Unterstützung ihrer Familie, Freunde und Ärzte sowie durch die Therapie fasst sie wieder Mut. Die heute 60-Jährige erhält ein für sie wirksames und gut verträgliches Krebsmedikament. Dieses führt nach einer Weile zu ersten Erfolgen. Edelgard schöpft Hoffnung. Sie beginnt, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und kann sich heute trotz des Multiplen Myeloms wieder an den kleinen und alltäglichen Dingen des Lebens erfreuen.
Ab Oktober 2007 litt ich immer wieder an Infekten. Ich fühlte mich schlapp. Außerdem taten mir meine Knochen weh, vor allem im Rippenbereich. Zunächst dachte ich, ich hätte mir beim Sport etwas gebrochen. Doch der Röntgenbefund fiel negativ aus. Die Schmerzen blieben, hinzu kam, dass ich nachts oft keine Luft bekam. Im April 2008 ging es mir dann so schlecht, dass ich ins Krankenhaus überwiesen wurde. Dort führten die Ärzte eine Knochenstanze durch. Dabei wurden mir etwas Knochenmark und ein kleines Stück Knochen entnommen. Die Untersuchung brachte schließlich die Diagnose: Multiples Myelom. Ich wurde direkt in die Uniklinik nach Mainz gebracht, wo ein CT zeigen sollte, wie weit meine Erkrankung bereits fortgeschritten war.
Ich wurde komplett aus meinem Leben gerissen. Ich war total verängstigt und verunsichert. Mein Selbstwertgefühl war zerstört. Ich dachte mir, das schaffe ich nicht. Doch mein Mann, meine Tochter und meine Freunde haben mir geholfen, wieder Kraft und Mut zu schöpfen. Sie waren für mich da, haben mich motiviert, nicht aufzugeben und mir gezeigt, wofür es sich zu leben lohnt. Außerdem habe ich sehr viel Unterstützung durch eine Psychologin erfahren, die sich auf onkologische Erkrankungen spezialisiert hatte.
Ich habe mir damals sehr viele Selbstvorwürfe gemacht. Ich dachte, dass ich nicht genug auf mich und meinen Körper geachtet habe und gab mir selbst die Schuld für mein Multiples Myelom. Mit meiner Psychologin sprach ich circa zweimal pro Woche. Wir waren uns von Anfang an sympathisch. Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass es um mich geht. Außerdem hat sie sich sehr viel Zeit genommen und mir Mut zugesprochen. So habe ich schnell Vertrauen zu ihr aufgebaut.
Es hilft mir sehr, wenn mein Arzt mich motiviert und mir Mut macht. Zum Beispiel indem er mir aufzeigt, welche Fortschritte ich durch meine Behandlung bereits erreicht habe. Damit gibt er mir das Gefühl, dass ich auch künftig gegen die Krankheit ankommen kann. Außerdem ist mir seine Expertise wichtig. Es beruhigt mich, wenn er mir erklärt, welche Therapie für mich die beste ist. Und mir ist das Gefühl wichtig, in Entscheidungen mit einbezogen zu werden. Wenn all dies geschieht, fühle ich mich in guten Händen. Dann denke ich auch schnell: Gut, packen wir es an!
Mein Leben ist anders verlaufen, als ich es mir erhofft habe. Doch neue Denkmuster haben mir geholfen, mein Multiples Myelom anzunehmen. Mir ist klar geworden, dass ich vor der Erkrankung oft gar nicht auf das Schöne im Leben geschaut habe. Ich war immer im Stress und habe funktioniert wie ein Hamster im Hamsterrad. Heute bin ich dankbar, dass ich dank der Unterstützung meiner Familie, der Ärzte und der Multiplen-Myelom-Therapie die ganz normalen Dinge des Alltags erleben kann. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich mich mit Freunden treffen oder auch einfach den Einkauf allein erledigen kann. Ich habe einen Blick für die kleinen, schönen Dinge des Lebens bekommen. So genieße ich zum Beispiel ein Bad im See oder Spaziergänge in der Natur. Daraus schöpfe ich Kraft. Ich habe mir angewöhnt, mit vielen positiven Gedanken zu leben.
Durch meine Erkrankung hat sich vieles verändert. Früher war ich die Hauptverdienerin der Familie. Jetzt bin ich Frührentnerin und wir müssen kleinere Brötchen backen. Das heißt aber nicht, dass das schlecht ist. Ich vergleiche mein Leben nicht mehr mit dem von anderen Personen. Dadurch bin ich viel glücklicher geworden. Hinzu kommt, dass ich neue Talente an mir entdeckt habe. So male ich beispielsweise seit einiger Zeit.
Ich bin Mitglied einer Selbsthilfegruppe, bei deren Treffen auch Ärzte regelmäßig über neue Multiplen-Myelom-Therapien informieren. Ich nehme an diesen Treffen zusammen mit meinem Mann teil und finde es immer sehr interessant zu hören, was alles neu entwickelt und in Studien untersucht wird. Es gibt mir Mut und Zuversicht, wenn ich sehe, dass die Forschung Fortschritte macht und neue Medikamente verfügbar sind.
Es ist wichtig, nie aufzugeben, auch wenn es ganz schlimm aussieht. Man muss versuchen, sich der Krankheit zu stellen, denn man kann sich vor ihr nicht verstecken. Positive Gedanken helfen einem dabei, wieder Mut zu schöpfen, auch kleine Mutmacher aus der Natur. Wenn ich beispielsweise einen Löwenzahn sehe, der sich zwischen Steinplatten hervorkämpft, denke ich mir, so will ich es auch versuchen. Man sollte die kleinen Dinge genießen, die uns das Leben schenkt und wieder staunen lernen, über all das Schöne, was um uns herum ist.
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